Walking around the Northland

Mein treuster Freund

… ist ein ziemlich mitgenommen aussehender Teddy, den ich seit meiner Geburt besitze und mit dem bereits meine Mama in ihrer Jugend das Bett geteilt hat. So oft war er in einsamen Nächten bei mir, hat meine Tränen aufgefangen und ist mit mir in den Urlaub gefahren. Als ich größer wurde hab ich ihn für einen Urlaub immer Zuhause gelassen, jedoch jedes Mal schmerzlich vermisst (wie konnte ich nur!). Auf meiner Neuseeland-Reise begleitet er mich allerdings und während ich Neuseeland geschenkt bekommen habe, hat er auch etwas geschenkt bekommen: einen Namen.

Als Katrin – eine ganz liebe Freundin die ich hier gewonnen habe und zufälligerweis auch aus Deutschland kommt :P – meinem ramponierten Teddy das erste Mal kennen gelernt hat, war sie schockiert, dass ich den kleinen Kerl bereits seit mehr als 21 Jahren bei mir habe, aber er bis jetzt noch keinen Namen besitzt. Normalerweise gebe ich Dingen keinen Namen, auch wenn ich sie sehr lieb habe. :P

Deswegen trägt er nun den vielleicht nicht unbedingt ehrenwerten Namen Mr. Noname. In Englisch natürlich, weil er Deutsch versteht und sonst beleidigt wäre. ;)

Jetzt habe ich aber Zuhause einen weiteren Teddy, seinen großen Bruder, der ebenfalls zu mir gehört, aber in meinem Koffer war kein Platz mehr, also hatte ich auf ihn verzichten müssen – und irgendjemand musste schließlich auch auf mein Bett aufpassen. Das hat er schon verstanden. xD

Wenn ich zurückkomme, dann hat Mr. Noname einen Namen und er wird immer noch namenlos sein. Dafür muss ich mir schnellstens was einfallen lassen, sonst kuschelt der nie wieder mit mir …

Everything is lovely!

Seitdem ich hier bin, aber ich ein wenig das Gefühl … nun ja, ein “schlechter Mensch” zu sein. Zumindest was meine Freundlich- und Gutmütigkeit betrifft. Ich habe mich eigentlich immer für sehr höflich, geduldig und eben freundlich gehalten. Wie das in Deutschland eben üblich ist. Das man das natürlich von Mentalität zu Mentalität verschieden auslegen kann, ist mir klar, und, dass es Länder mit Menschen gibt, die wirklich noch freundlicher sind, als ich es bin, war mir auch von Beginn an klar. Genauso wie die Tatsache, dass wir Deutschen nicht unbedingt das netteste Völkchen auf Erden sind.

Mittlerweile denke ich nun aber ein bisschen anders über meine eigenen guten Eigenschaften, so dass ich sie gar nicht mehr als ausreichend gut betrachte. Fakt ist, hier sind alle so nett zu dir, was ich sehr schätze und angenehm finde, aber hier redet auch wirklich jeder mit dir, was mich wiederum unheimlich … nervt!

Die Menschen fragen mir einfach zu viel.

“How are you?” ist Standartsatz, was auch schön ist, aber dann gehts noch darum was man gemacht hat, was man heute noch vor hat oder wie die Pläne fürs Wochenende sind bis hin zu Gesprächsthemen über das Top, dass ich gerade kaufen möchte.

Ja wirklich, es nervt mich. Ich habe keine Lust mit fremden Menschen über meine Pläne zu reden, unterhalte mich sowieso nicht gerne über Klamotten und außerdem fühle ich mich dann immer ganz klein und wie ein Idiot, weil mein Englisch oft noch nicht so perfekt ist, um dem schnellen Wirr-warr eines Verkäufers hinterher zukommen und korrekt zu antworten. Und wenn ich dann noch keine Pläne für den Tag habe, was bei mir im Grunde meistens der Fall ist, weil ich mich spontan treiben lasse, komm ich mir dann noch doofer vor. Als wäre ich langweilig und furchtbar uninteressant. xD

Im Grunde interessieren sich diese Menschen doch auch nicht für einen, sondern es ist einfach ein nettes Gehabe. Die Veräuferin, die gestern versucht hat mit mir über mein Top zu reden, hat dem Mädchen an der Umkleidekabine exakt dasselbe über eine rosa Bluse erzählt, die sie in der Hand hatte. “That’s so lovely, isn’t is? I have the same at home and the [...]“. Und überhaupt! Immer dieses lovely! Hier ist alles und jeder lovely. :P

Ich kenne einen Asia-Take-Away hier, indem eine aufgedrehte Asiatin arbeitet, bei der man ebenfalls meinen könnte, ihre Freundlichkeit ist auf Tonband gesprochen. Die bedankt sich beim Kassieren mindestens zehn Mal bei dir, was einem dann eher das Gefühl gibt, dass man am besten sofort wieder verschwinden sollte, den hinter dir steht schon der nächste Kunde und das ist ja hier alles Fließbandarbeit. Zack, zack, zack.

Viele Menschen schätzen diese Freundlichkeit, mir kommt sie jedoch so unaufrichtig vor und das wiederum kann ich nicht leiden. Und ja mei, dann bin ich eben das Klischee eines typischen Deutschen, der immer etwas zu meckern hat.

Wenn das Herz nach Hause treibt …

Eigentlich war die Idee ja, dass ich mit Wolken spazieren einen Auslandsblog eröffne. Ich wollte über meine fünf Monate berichten in denen ich mich durch die große weite Welt schlage und nun sind knapp zwei Monate um und bis jetzt ist hier eigentlich gar nichts passiert. Grund dafür ist u. a. der schlechte Internetausbau, den ich mir nicht träumen habe lassen, der es mir zwar möglich macht ins Internet zu gehen, aber nur gegen viel Geld. Zwar gibt es vielerorts Wi-Fi-Verbindungen, aber wie das nun mal so ist, sitzt man überall gerne bei sich Zuhause im Internet, anstatt extra das Zimmer dafür verlassen zu müssen. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass ich nicht die Lust verspürt habe über all das hier zu schreiben. Ich habe Heimweh. Ich denke, dass es immer schlimmer gehen kann und ich liege nicht tagtäglich in meinem Bett und heule vor mich hin, aber ich bin gelangweilt. Von Englisch, davon, immer dieselben Gespräche zu führen, die mir mittlerweile richtig zum Hals raushängen, aber vor allem von Auckland. Ja, überhaupt von einer Stadt. Sie macht mich müde, ich mag sie nicht und das einzig positive ist für mich nur das Meer und der Hafen. Dort könnte ich Stunden verbringen, einfach dasitzen und nachdenken. :)

Auf jeden Fall haben sich meine Pläne geändert. Ich werde nach zehn Wochen meine Reise abbrechen und nach Deutschland zurückkehren. Dann, wenn mein Flug eigentlich in die USA weitergehen sollte. Das steht eigentlich schon eine relativ lange Zeit fest und ich habe eigentlich keine Probleme damit. Ich denke auch nicht, dass ich nach ein paar Monaten zu mir sagen werden “Mensch, hättest du das doch durchgezogen!”. Ich lebe im Moment auf absolutem Stillstand, wünsche mir einen neuen Job, kann das aber erst Zuhause richtig in Angriff nehmen, und dann möchte ich noch das und das und das und überhaupt bin ich ein Mensch, der immer viel zu viel will und das am besten alles zur selben Zeit. Dass das nicht geht, weiß ich, aber dadurch, dass ich hier so viel Zeit habe, so viel nachdenken kann und mich im Grunde auch nicht mehr richtig wohlfühle, fühle ich mich abgehalten.

In Neuseeland habe ich mich verliebt, nicht aber in Auckland. Vielleicht hätte ich meine Reiseplanung damals etwas anders gestalten sollen, aber das ist schon ok so. Ich freue mich auch wieder auf Zuhause. :)

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